1. OER finden: Plattformtypen und ihre Logiken
Wer nach Open Educational Resources sucht, findet schnell eine große Vielfalt unterschiedlicher Dienste und Plattformen. Die Materialien verteilen sich auf Suchmaschinen, Repositorien und referenzierende Plattformen, die jeweils eigenen Funktionslogiken folgen. Sie unterscheiden sich nicht nur darin, wie Materialien veröffentlicht oder gefunden werden können, sondern auch darin, wie Inhalte erschlossen, qualitätsgesichert und auffindbar werden.
Plattformen sind dabei weit mehr als reine Ablageorte. Sie vermitteln zwischen den Materialanbietenden, und denen, die nach ihnen suchen. Über Kategorien, Metadaten, Suchmasken und Benutzeroberflächen prägen sie maßgeblich, welche Materialien sichtbar werden und wie Nutzer:innen auf diese zugreifen (vgl. Leineweber/ Hofhues/ Lucke & Schütz 2015, S. 23–26).
Standardisierte Metadaten bilden hierfür eine zentrale Voraussetzung: Sie ermöglichen, dass OER plattformübergreifend recherchiert und von Suchmaschinen gefunden werden können. Gleichzeitig legen sie fest, welche Eigenschaften eines Materials maschinell erfasst werden und damit überhaupt sichtbar werden. Metadaten schaffen Auffindbarkeit, reduzieren Bildungsressourcen jedoch zugleich auf vorab definierte Merkmale (vgl. Richter & Allert 2025, S. 334–336).
Auch die Qualitätssicherung unterscheidet sich zwischen den Plattformen. Während einige Materialien vor der Veröffentlichung redaktionell prüfen, setzen andere auf Bewertungen und Kuratierung durch ihre Nutzer:innen. Wer OER veröffentlichen oder gezielt recherchieren möchte, sollte diese unterschiedlichen Plattformtypen und ihre jeweiligen Funktionsweisen kennen, um ihre Potenziale und Grenzen angemessen einschätzen zu können.
OER-Plattformen lassen sich danach unterscheiden, ob sie Materialien selbst speichern oder lediglich auf sie verweisen. Nach ihrer Funktion lassen sich grundsätzlich zwei Typen unterscheiden:
Repositorien (Speicher- und Veröffentlichungsplattformen): Repositorien ermöglichen das Hochladen eigener Materialien. Sie stellen diese dauerhaft bereit, sorgen für ihre Archivierung und machen sie in der Regel dauerhaft referenzier- und zitierfähig.
Referatorien (Referenz- und Verzeichnisplattformen): Referatorien speichern Materialien nicht selbst, sondern verweisen auf bereits extern veröffentlichte OER. Als Aggregatoren bündeln sie Verlinkungen zu verschiedenen Quellen. Voraussetzung ist, dass die Materialien zuvor auf einem Repositorium oder einer anderen Plattform veröffentlicht wurden.
2. Allgemeine Suchplattformen: Hohe Reichweite, geringe Strukturierung
Plattformen wie YouTube und Google sind für viele Lehrende der erste Anlaufpunkt bei der Materialsuche (vgl. Buntins et al. 2024). Sie bieten eine große Vielfalt an Bildungsinhalten und ermöglichen über Creative-Commons-Filter auch die gezielte Suche nach offen lizenzierten Materialien.
Allerdings handelt es sich bei diesen Plattformen nicht um spezifische OER-Infrastrukturen. Ihre Logik ist nicht auf pädagogische und fachdidaktische Standards oder eine konsistente Lizenzausweisung ausgerichtet, sondern auf Reichweite und Sichtbarkeit.
Hier finden Nutzer:innen in der Regel nicht vollständig ausgearbeitete Unterrichtseinheiten, sondern einzelne Bausteine, zum Beispiel Videos, Bilder oder Arbeitsblätter, auch für die religionspädagogische Anwendung. Diese können wertvolle Impulse liefern, müssen jedoch in der Regel didaktisch eingeordnet, ergänzt und in den intendierten Lehr-Lern-Zusammenhang eingebettet werden.
3. Referatorien & OER-Suchmaschinen: Materialien vernetzen und auffindbar machen
Referatorien und OER-Suchmaschinen bündeln frei zugängliche Materialien aus unterschiedlichen Quellen. Dabei reicht das Spektrum von reinen Suchinstrumenten bis hin zu kuratierten Plattformen mit Community-Elementen.
Openverse ist eine Suchmaschine für frei lizenzierte Bilder und Audiodateien. Sie indexiert Werke mit Creative-Commons-Lizenzen und aus dem öffentlichen Domain und referenziert mit Verlinkungen zum Ursprungsort der Quelle. Nutzer:innen können die Suche nach Materialtyp, Lizenz und Gebrauch filtern. Hier finden sich vielfältige OER-lizenzierte Materialien, die auch für den religionspädagogischen Kontext eingesetzt werden können.
WirLernenOnline ist ein OER-Referatorium, das die Funktionen einer Suchmaschine für freie Bildungsmaterialien mit einer Community-Plattform verbindet. Über strukturierte Themenseiten werden Materialien entlang von Bildungsbereichen, Fächern und Bildungsstufen übersichtlich erschlossen und recherchierbar gemacht. Die Plattform verlinkt Inhalte aus unterschiedlichen Quellen zu offenen Lehr- und Lernressourcen und ergänzt diese um Mitmach-, Upload- und Austauschfunktionen für die Community. Die Qualitätssicherung folgt einem mehrstufigen redaktionellen Prüfprozess. Zunächst unterziehen geschulte Redakteur:innen Materialien und Quellen einer KI-gestützten Basissichtung, bei der geklärt wird, ob sich die Materialien für Bildungszwecke eignen, rechtliche Anforderungen erfüllt und die Materialien datenschutzkonform bereitgestellt werden. In einem zweiten Schritt bewerten Fachredaktionen die fachliche und didaktische Qualität und zeichnen besonders geeignete Materialien mit Siegeln aus. Auch für den Religionsunterricht und die außerschulische Bildungsarbeit bietet WirLernenOnline eine enorme Vielzahl fachlich kuratierter Materialien, die gezielt nach offen lizenzierten Bildungsressourcen gefiltert werden können. Dadurch eignet sich die Plattform besonders für Lehrende, die bereits qualitätsgesicherte OER recherchieren möchten.
Die Suchmaschine ELIXIER ist eine metadatengestützte Infrastruktur für Bildungsmedien und bündelt die Angebote der Landesbildungsserver, des Deutschen Bildungsservers sowie weiterer Partner in einer zentralen Suchoberfläche. Die Materialien werden dabei nicht auf der Plattform selbst gespeichert, sondern im Sinne eines Referatoriums über ihre jeweiligen Originalquellen nachgewiesen und verlinkt.
Die Recherche kann nach Fach, Bildungsstufe, Medientyp oder Lizenz gefiltert werden.
Die im Ressourcenpool nachgewiesenen Materialien vom Elementarbereich bis zur beruflichen Bildung beruhen auf redaktionellen Prüfprozessen der beteiligten Bildungsserver und Partner. Diese institutionelle Qualitätssicherung ersetzt jedoch nicht die notwendige fachliche, fachdidaktische und curriculare Beurteilung der Materialien.
Auch eine recht umfängliche Anzahl religionspädagogische Bildungsmedien sind über ELIXIER zugänglich.
Der Open Educational Resources Search Index OERSI ist eine Suchmaschine für offene Bildungsmaterialien im Hochschulbereich und wird seit 2020 gemeinsam vom Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen und der Technischen Informationsbibliothek betrieben. Als Referatorium bündelt die Plattform nationale und internationale OER aus unterschiedlichen Repositorien und macht sie über standardisierte Metadaten zentral recherchierbar. OERSI übernimmt damit eine elementare Vernetzungsfunktion innerhalb der deutschsprachigen OER-Infrastruktur. Für Lehrinhalte im Fach Theologie bzw. Religionspädagogik ist die Auswahl noch überschaubar. Hier steht aktuell eine kleine, aber wachsende Auswahl zur Verfügung, wohingegen verwandte Fächer wie Philosophie deutlich stärker vertreten sind. Eine redaktionelle Prüfung der Inhalte erfolgt nicht, für die inhaltliche und didaktische Qualität sind die Herkunftsportale bzw. die jeweiligen Autor:innen verantwortlich.
4. Repositorien & OER-Plattformen: Bereitstellung und Referenzierbarkeit
Repositorien sind digitale Materialsammlungen, in denen Bildungsressourcen dauerhaft gespeichert, mit standardisierten Metadaten erschlossen und unter offenen Lizenzen bereitgestellt werden. Durch technische und inhaltliche Erschließung werden Lehr- und Lernmaterialien langfristig auffindbar und rechtssicher nutzbar. Repositorien dienen nicht nur als Ablageort für Ressourcen, sondern bilden auch eine zentrale Infrastruktur für die nachhaltige Verfügbarkeit, Bearbeitung und Weiterentwicklung von OER.
Das niedersächsische OER-Portal twillo richtet sich insbesondere an Personen an Hochschulen, die offene Bildungsmaterialien erstellen, veröffentlichen oder recherchieren möchten. Die Plattform stellt nicht nur OER bereit, sondern unterstützt auch bei deren Entwicklung, beispielsweise durch Informationen zu offenen Lizenzen oder urheberrechtlichen Fragen. Darüber hinaus bietet das Portal praktische Hilfestellungen zur Erstellung und Veröffentlichung offener Bildungsmaterialien. twillo verbindet dabei die Funktionen eines Repositoriums und eines Referatoriums: Materialien können sowohl direkt auf der Plattform veröffentlicht als auch als externe Verlinkungen eingebunden werden. Auch für die theologische Hochschullehre stehen Materialien zur Verfügung, wenn auch bislang nur in begrenztem Umfang.
ORCA.nrw ist das Landesportal für Studium und Lehre in NRW und bietet ein Repositorium mit Uploadformular, über das Nutzende eigene OER einstellen können. ORCA.nrw ist ein Repositorium und Portal, das über den integrierten OERSI‑Suchindex referatorisch auf weitere Repositorien verweist. Alle eingestellten Materialien durchlaufen vor der Veröffentlichung einen Qualitätssicherungsprozess, in dem insbesondere die Lizenzierung, die technischen Standards und die Barrierefreiheit geprüft werden. Darüber hinaus sind Zuständigkeiten für das Qualitätsmanagement und die Pflege der Inhalte eingerichtet, sodass eine Überprüfung gewährleistet ist. Weiteres Beratungs- und Serviceangebote zu rechtlichen Fragen oder zur Qualitätssicherung und OER-Produktion werden auf dem Portal ebenfalls angeboten. Aktuell sind noch wenige Materialien für den religionsbezogenen Bereich bei ORCA.nrw zu finden.
Das ZOERR ist ein an der Universitätsbibliothek Tübingen sowie weiteren Partnerhochschulen angesiedeltes Repositorium für OER in Baden-Württemberg. Es ermöglicht Nutzenden, Materialien für die Hochschullehre zur Nachnutzung und Weiterentwicklung bereitzustellen. Über die Plattform können die eingestellten Materialien versioniert und in Kooperation bearbeitet werden. Die Materialien werden vor der Veröffentlichung redaktionell auf ihre technische und rechtliche Eignung geprüft. Aktuell sind Materialien für die theologische Hochschullehre an dieser Stelle noch sehr rar gesät.
Das internationale OER-Repositorium OER Commons ist eine „public digital library of open educational resources“ (siehe Homepage). Hier können OER publiziert, recherchiert und kollaborativ weiterentwickelt werden. Thematische Hubs bündeln Materialien zu bestimmten Themen oder Fachbereichen und bieten kuratierte Einstiege, über die Lehrende OER finden und weiterentwickeln können. Eine redaktionelle Qualitätsprüfung findet nicht statt. Vielmehr ist die Qualitätssicherung der Inhalte dezentral über die Verantwortung der einstellenden Institutionen und Autor:innen sowie über Community‑Funktionen wie Bewertungen und Kommentare organisiert. Das Fach Religion ist bei OER Commons „Arts and Humanities“ zugewiesen und wird dort zusammen mit weiteren geisteswissenschaftlichen Disziplinen, z.B. mit Philosophie, geführt. Die Auswahl dezidiert religiöser Bildungsmedien ist damit überschaubar.
Die Plattform MUNDO wird als offene Bildungsmediathek der Bundesländer betrieben und durch das FWU Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht realisiert. Sie richtet sich an unterschiedliche Bildungsstufen vom Elementarbereich bis zur beruflichen Bildung und kombiniert repositoryartige und referatorische Funktionen: Materialien können sowohl hochgeladen als auch als externe Ressourcen vorgeschlagen werden. Eingereichte Materialien werden von der MUNDO-Redaktion geprüft und freigegeben, eine spezifische fachwissenschaftliche Begutachtung ist jedoch nicht ausgewiesen. Für das Fach Religion ist die Auswahl derzeit überschaubar. Neben religionsbezogenen Materialien finden sich jedoch viele verwandte Inhalte aus Ethik und Philosophie.
Die Plattform ZUM-Unterrichten wird von der Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet betrieben und richtet sich vor allem an den schulischen Bereich der Sekundarstufen I und II. Ein Hochladen eigener Materialien ist nicht möglich, Nutzende können ausschließlich in der Wiki-Struktur bearbeiten und mitwirken. ZUM-Unterrichten kann als kollaborative OER-Plattform mit repositoryartigem Charakter verstanden werden. Die Qualitätssicherung erfolgt communitybasiert, d.h. Nutzer:innen können Inhalte bearbeiten und weiterentwickeln. Für das Fach Religion ist die Auswahl derzeit begrenzt, da sich das Angebot auf eine vergleichsweise kleine Zahl von Themenseiten konzentriert.
5. Fachspezifische Plattformen für religionspädagogische Materialien
Neben fachübergreifenden Infrastrukturen bestehen Plattformen, die sich gezielt auf die Bereitstellung von OER innerhalb eines bestimmten Faches spezialisieren, so auch für das Fach Religion bzw. für außerschulische religiöse Bildung.
Im deutschsprachigen Raum nimmt das am Comenius-Institut Münster angesiedelte rpi-virtuell eine zentrale Rolle bei der Bereitstellung religionspädagogischer Bildungsmaterialien ein. Der dortige Materialpool ist eine referatorische Suchmaschine für Unterrichtsmaterialien, Praxisimpulse, Fachinformationen und Materialien für Kita, Schule, Gemeinde und Hochschule. Die Materialien können nach Schulformen, Themen, Autor:innen und Kontext gefiltert werden. rpi-virtuell richtet sich insbesondere an pädagogische Fachkräfte, Lehrkräfte, Multiplikator:innen, kirchliche Bildungsakteur:innen und Hochschuldozierende. Ein Teil der Materialien ist offen lizenziert und damit als OER nachnutzbar. Materialhinweise können zur Veröffentlichung bei rpi-virtuell eingereicht werden. Die Beiträge werden redaktionell gesichtet und verschlagwortet. Eine fachliche und curriculare Prüfung ist weiterhin in der Verantwortung der Nutzenden.
Auch rpi-loccum stellt über einen eigenen Materialpool eine Auswahl an religionspädagogischen Materialien für den Elementarbereich, Religionsunterricht von Grundschule bis Sek I und II, Förderschule, Berufsschule sowie Schulseelsorge und Gemeindepädagogik bereit. Der Materialpool ist nach Themenfeldern und Altersstufen strukturiert. Die Materialien greifen auf Artikel des Loccumer Pelikan zurück und sind daher urheberrechtsgeschützt, allerdings finden sich wenige Ausnahmen, die mit CC-Lizenzen ausgestattet sind. Die redaktionelle Aufbereitung der Zeitschrift tragen zu einer ausgewiesenen Qualität der Materialien bei.
Aktuell befindet sich die ehemalige Materialseite von rpp-katholisch im Aufbau zur neuen Projektseite EDUKATH.DE, die zeitnah online gehen soll. Die Plattform stellt Materialien für die Gestaltung des Religionsunterrichts und die religiöse Bildungsarbeit zur Verfügung. Ein Teil der Materialien soll auch als OER bereitstehen. EDUKATH.DE zielt darüber hinaus auch darauf, Religionspädagog:innen untereinander und mit den religionspädagogischen und katechetischen Einrichtungen in den Diözesen zu vernetzen.
Die Auswahl der Plattformen ist exemplarisch und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ausgenommen sind u.a. Materialsammlungen und Portale von Landeskirchen und Diözesen, die bislang überwiegend nicht auf offenen Bildungsressourcen basieren, sowie kommerzielle Plattformen.
6. Fazit: Eine stärkere Vernetzung bestehender Infrastrukturen ist ein wichtiger nächster Schritt
Die Übersicht der OER-Plattformen macht deutlich, dass sich verschiedene Plattformtypen unterscheiden lassen, über die offene Bildungsmaterialien recherchiert und verbreitet werden können. Diese Plattformen verfolgen jeweils unterschiedliche Zielsetzungen und Formen der Qualitätssicherung. Für eine reflektierte Nutzung im pädagogischen Kontext ist es daher unerlässlich, die verschiedenen Plattformen und ihre Logiken zu kennen, um ihre Potenziale ebenso wie ihre Grenzen mitzudenken.
Die nähere Betrachtuung legt zugleich ein Strukturproblem der OER-Landschaft offen: Weniger der Mangel an Materialien stellt derzeit die größte Herausforderung dar, als vielmehr ihre schwierige Auffindbarkeit. Das Angebot an offenen Bildungsmaterialien ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen, dennoch erscheint die Landschaft fragmentiert und vielen Lehrenden sowie Praktiker:innen sind die OER-Plattformen noch immer unbekannt.
Repositorien entstehen häufig dezentral an Hochschulen, in Bundesländern oder in projektförmigen Kontexten. Sie nutzen unterschiedliche Metadatenstandards und sind technisch nur bedingt interoperabel. Dadurch verbleiben viele offen lizenzierte Materialien in isolierten Silos und sind außerhalb ihres jeweiligen Ursprungsökosystems nur schwer auffindbar (vgl. Otto/Kerres 2022).
Offenheit im lizenzrechtlichen Sinne garantiert noch keine strukturelle Offenheit im digitalen Raum. Plattformen sind keine neutralen Behälter für Bildungsmedien. Ihre technischen Strukturen und Benutzeroberflächen prägen mit, welche Materialien ausgespielt, auffindbar und sichtbar werden, wie sie kategorisiert sind und welche Formen der Nutzung nahegelegt werden (vgl. Hofhues/Schütz 2025, S. 11–14). Fehlende Schnittstellen oder uneinheitliche Metadaten können als Schließmechanismen wirken und die Reichweite der Materialien stark begrenzen, selbst dann, wenn diese formal frei zugänglich sind.
Für religionspädagogische Bildungsmaterialien zeigt sich darüber hinaus eine besonders heterogene Plattformlandschaft. Zwischen Repositorien und Referatorien, landeskirchlichen und diözesanen Mediatheken, inhaltlich spezialisierten Materialpools und hochschulbezogenen Suchmaschinen existieren unterschiedliche Metadatenformulare und Formen der Qualitätssicherung. Für Nutzer:innen bedeutet dies, dass die Auswahl geeigneter OER weiterhin eine reflektierte Urteilskraft und didaktischen Einordnung für den jeweiligen Bildungszusammenhang erfordert. Orientierung können hierbei die im FOERBICO-Projekt entwickelten Qualitätskriterien bieten.
Aktuelle Entwicklungen zeigen, dass es nicht noch weiterer Plattformen bedarf, sondern dass die Weiterentwicklung der OER-Landschaft künftig in der stärkeren Vernetzung bestehender Infrastrukturen liegt. Gemeinsame Metadatenstandards und interoperable Schnittstellen könnten dazu beitragen, die Sichtbarkeit, Nachnutzbarkeit und langfristige Verfügbarkeit offener Bildungsmaterialien deutlich zu verbessern. Einen solchen Ansatz verfolgt Edufeed, eine am Comenius-Institut Münter entwickelte Infrastruktur auf Basis des offenen Nostr-Protokolls, die sich aktuell in der Pilotphase befindet. Anders als klassische Repositorien oder Referatorien stellt Edufeed keine weitere Materialplattform bereit, sondern zielt darauf, bestehende OER-Angebote plattformübergreifend miteinander zu vernetzen. Qualität soll hier durch die kollaborative Weiterentwicklung und die Vernetzung bestehender Qualitätsstrukturen unterstützt werden. Edufeed zeigt exemplarisch, wie interoperable Infrastrukturen die Vernetzung, Auffindbarkeit und Weiterentwicklung offener Bildungsressourcen stärken und damit auch die religionspädagogische Praxis unterstützen können.
Literatur
Bildnachweis
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